Presse

30.03.2012 aus dem Grenzecho
Neue Ausstellung ab morgen im Haus der Stiftung Hodiamont in Baelen

»Endlichkeitshaufen« erzählen ihre Geschichte
Von Elli Brandt

»Endlichkeitshaufen und andere Portraits« lautet der Titel der Ausstellung, die am morgigen Samstag im Haus der Stiftung Hodiamont in Baelen eröffnet wird.

Malerei, Fotografie und Zeichnungen erwarten den Besucher, und natürlich die »Endlichkeitshaufen«. Wer sich unter »Endlichkeitshaufen« nichts vorstellen kann - umso besser. Der Künstler Wolfgang Straßburger liebt es, mit seiner Kunst zu überraschen - und auch ein wenig zu provozieren. Provozieren oder spielen, fragt sich derjenige, der den Künstler beim Arrangieren der »Endlichkeitshaufen« beobachtet. Eine Zange, ein Tortenheber, weitere Metallteile aus der Küchenschublade oder einfach nur Metallschrott. Ein chaotischer Haufen, solange bis der Künstler ihn ordnen und ihm einen Namen gibt: alte chirurgische Instrumente.

Wer kennt es nicht, das Chaos, das Gegenstände verbreiten, wenn man sich nicht mehr an ihren Sinn erinnert kann, wenn sie ihre Funktion und Notwendigkeit verloren haben.

Unter Kontrolle

Zu Haufen formiert, in eine Kiste oder ein Gebilde gebracht, sind sie unter Kontrolle. Eine Geschichte haben sie dennoch zu erzählen. Ganz spannend ist der Endlichkeitshaufen Tante Hildegard, »was von ihre übrig blieb«, sagt Wolfgang Straßburger. Es ist unter anderem ein Leisten, auf dem die Tante im hohen Alter Schuhe anfertigen ließ, und es ist ein alter Emaileimer.

Bekannt ist der in Aachen lebende Künstler vor allem für seine Fotokunst: Porträts von Landschaften und Menschen. In der Landschaftsfotografie scheint sich die Idee der »Endlichkeitshaufen« fortzusetzen. Strohballen in der Normandie, zusammengeschobener Schnee in den Alpen und Erdverwerfungen beim Bau des Fußballstadions am Aachener Tivoli sind zu sehen. Mit »andere Portraits« sind die Menschen gemeint, die Wolfgang Straßburger seit Jahren porträtiert. Nackt wirken die Gesichter, als habe der Fotograf den Augenblick eingefangen, als sich die Porträtierten der Gegenwart der Kamera nicht bewusst waren. Ganz anders die Selbstporträts. Wolfgang Straßburger nennt sie »Ego-shooting« und bringt sich verschmitzt, ironisch, witzig, nicht selten als Clown, in Pose.

Ergänzt wird die Ausstellung durch Malerei und Zeichnungen der aus Köln stammenden Künstlerin Angelika Schneeberger.

Es geht um Farbe, Form, Licht. Ein überdimensionaler Apfel wird zum Mittelpunkt des Bildes. Dann sind es Kirschen und Oliven, die in greifbare Nähe des Betrachters rücken. Stillleben, realistische Malerei habe sich lange versteckt. Nun wage sie sich aus der Versenkung, so Angelika Schneeberger.

Zeichnungen sind die Vorstufe zu ihren Ölbildern, doch sie entwickeln ein Eigenleben. Spannend die Verwandlung, wenn man Elemente aus den Kohlezeichnungen auf dem farbenfrohen Kellerregal wiederentdeckt. Der Blick auf eine Fensterbank dagegen zeigt kühle Farben, klare Linien. Tomaten werden zu Skulpturen und zaubern Schattenbilder. Licht und Schatten spielen auch in ihren Landschaftsbildern eine große Rolle. Vor allem Vennlandschaften hat Angelika Schneeberger zur Ausstellung in Baelen mitgebracht. Das Venn zu allen Jahreszeiten.

Die Gemeinschaftsausstellung von Wolfgang Straßburger und Angelika Schneeberger in der Stiftung P.P.J. Hodiamont in Baelen wird am Samstag, 31. März, um 17 Uhr eröffnet. Musik gibt es von der Jazz-Combo »Blue Birch«, in der Wolfgang Straßburger Klarinette spielt.

Die Ausstellung ist noch am 1. April, von 14 bis 18 Uhr, zusehen, und am Osterwochenende, vom Freitag bis Sonntag.